Leseprobe Unterrichtsorganisation
Rund um die Unterrichtsorganisation
... Weit vor Ende des Schuljahres konnte ich dann die Lehrerinnen der zukünftigen ersten Klassen von einem neuen Experiment überzeugen. Zunächst mussten wir wieder einmal unseren Schulleiter überrumpeln und anschließend wurde ein wenig organisiert. Nach Sommerferienende 1969 durften in den ersten 1,5 Wochen die besten Sportler meiner älteren Klassen meine Rolle übernehmen - mit der Aussicht auf Extra-Pluspunke und zusätzliche Fußballstunden. Der Hausmeister simulierte im August äußerliche Wintertemperaturen mit dem Ergebnis des Badewannenfeelings im Schwimmbad. Die noch-nicht-ganz ABC-Schützen kamen an diesen insgesamt acht Schultagen alle freiwillig und ohne Schulpflicht bereits vor ihrer offiziellen Einschulung täglich für eine Doppelstunde, insgesamt also für 720 Minuten in ihre Schule, lernten dort allerdings nur das Schwimmbad kennen. Kinder und Eltern waren begeistert. Vor allem bewältigten selbst die Schwächsten dank der optimalen Bedingungen, der raschen Folge ohne Unterbrechungen und der etwas anderen Methodik den sonst üblichen Stoff eines ganzen Schuljahres der dritten oder vierten Klassen. Es entstand angesichts der unglaublichen Fortschritte die Mär vom Zauberkünstler. Die Klassenlehrerinnen profitierten am meisten: Vom ersten Tag an hatten sie es mit schulerfahrenen, gewachsenen, disziplinierten Klassen zu tun; nach Meinung aller erfahrenen Kollegen in Sachen Sozialverhalten und Klassengemeinschaft ein Vorsprung von mindestens einem halben Jahr. ...
... Wer bereit ist, im Wasser für die Kinder der Sicherheitsfaktor zu sein und dennoch zügig vorankommen will, dem kann ich nur den Start im für die Kinder schwimmtiefen Wasser nahe legen. ...
... Wir versuchen also recht erfolgreich, das Risiko zu minimieren und die Kinder dennoch so früh und so realitätsnahe wie möglich an das normale Geschehen im sommerlichen Badegetümmel heran zu führen. Das sieht für Außenstehende im ersten Moment sicherlich ungeordnet oder sogar chaotisch aus, aber wir achten sehr genau darauf, dass niemand überfordert wird. ...




