Wenn es nach denen ginge, die mal versucht haben, mich zu erziehen und auch, wenn ich meine lange gefestigte persönliche Einstellung als Maßstab nehme, Bescheidenheit ist selbstverständlich eine positive Eigenschaft. Aber klar doch!
So war ich bislang selbstverständlich auch im Umgang mit der Presse sowie Institutionen und Behörden immer eher zurückhaltend, wollte mich nicht in den Vordergrund drängen.
Es hat ja auch bislang überall funktioniert.
Bis Anfang Mai 07 die lange Vorbereitung auf die Schwimmschul-Jubiläumsveranstaltungen und die Präsentation eines neuen Buchprojektes, die zusätzlich noch mit Kinderweltrekord- und Promischwimmen unterstrichen wurden, quasi ohne Beachtung der Presse blieben.
Da telefoniert und schreibt man wochenlang, bekommt großes Interesse vorgegaukelt und diverse mündliche Zusagen, ein Spiegelredakteur will sich gar in der Redaktion für den Erwerb der Exklusivrechte am Buch einsetzen - und dann taucht niemand von der Presse auf.
Nur gut, dass die rund 100 zuschauenden Eltern die Abwesenheit der Presse kaum bemerkten und Radio-Hamburg-Starmoderator John Ment mit viel Witz, flotten Sprüchen und einem guten Draht zu den Kindern den nassen Teil der Veranstaltung souverän meisterte. Er war es auch, der mir nach Pfingsten die Augen öffnete.
Rund eine Stunde saßen wir im Sender zusammen, spielten zukünftige Aktionen durch und analysierten ausgiebig die vergangene Pressepleite. Dabei stießen wir schließlich auf die Wurzel des Übels:
In allen Ankündigungen hatte ich meinem Namen zwar artig den Hinweis auf Sportpädagoge und Autor hinzugefügt, aber alles andere bescheiden unter den Tisch fallen lassen. Dazu John Ment im O-Ton: "Glauben Sie, dass ich auf Grund meines Namens außerhalb des Sendegebietes auch nur das Geringste erreichen würde? Überhaupt nicht! Da muss ich schon den Radiomoderator raushängen lassen. Aber dann funktioniert beinahe alles. So tickt unsere Welt! Und daran werden wir beide auch nichts ändern!"
Ein paar Tage später der erste Beweis des Lernerfolgs!
In den Nachrichten hörte ich zufällig vom Kindersicherheitstag und rief (nun als BvAP-Präsident und Referent bei internationalen Fachkongressen) bei den Veranstaltern an. Inhaltlich ging es wieder nur um das bekannte Thema Anfangsschwimmen, allerdings ohne Weltrekord und Promischwimmen. Dennoch wurde ich spontan zur Auftaktveranstaltung ins Bundesgesundheitsministerium nach Berlin eingeladen und fand dort bei Ministerial-, Lobby- und Presseleuten eine gänzlich andere Beachtung.
Scheinbar machen wirklich nicht Ideen oder Inhalte einen Menschen aus. Nein, erst Kleider, Titel oder Ämter machen Leute.
Wenn ich also das Anfangsschwimmen weiter umkrempeln will, muss ich wohl oder übel meine Zurückhaltung über Bord werfen, muss sie durch kernige Schlagzeilen, gewagte Vergleiche und veranschaulichende Übertreibungen ersetzen.
Aber sagt mir bitte rechtzeitig bescheid, wenn ich hier Gefahr laufe, zu übertreiben.