Herr Whu war der Sohn chinesischer Einwanderer in die Philippinen. Er war mitte 40 und sicherlich nicht unsportlich. Aber er konnte nicht schwimmen. Als ich ihm in einer der ersten Stunden mein Erstaunen darüber deutlich machte, erzählte er mir bereitwillig die Begründung seines bisherigen Nichtschwimmerdaseins:
Nach seiner Geburt suchten seine Eltern nach alter chinesischer Tradition den Wahrsager auf, dessen Rat streng zu befolgen war. Und der Prophet beschied den Eltern, dass der Neugeborene zeitlebens einen großen Bogen um jegliches Wasser zu machen hätte. Furchtbare Schicksalsschläge wurden für die Nichtbeachtung der Weissagungen vorhergesagt. Eltern und Kind hielten sich konsequent an diese grundsätzliche Lebensregel.
Nun war Herr Whu bereits über 20 Jahre aus dem Elternhaus nahe Manila heraus. Er hatte in den USA studiert, war für eine große Firma international tätig, hatte die Welt gesehen. Aber erst jetzt und immer noch mit einem schlechten Gewissen nicht nur seinen Eltern gegenüber, wagte er es, den Bann zu brechen und ist seither mit seinem Glauben im Konflikt.
Schon lange schwimmt er gut und sicher. Die Freude an der Beherrschung des ehemals feindlichen, nassen Elements überwog. Aber er versäumt es nicht, zuvor jedes Mal seine Ahnen um Vergebung zu bitten.